André Jannasch

Yoga, Psychotherapie & Innere Forschung.

Ich bin Yogalehrer, Ausbilder und heilkundlicher Psychotherapeut. Seit mehr als zwanzig Jahren beschäftige ich mich mit einer Frage, die sich durch sehr unterschiedliche Bereiche meines Lebens zieht:

Was hilft uns, freier, zufriedener und lebendiger zu werden?

Mein Weg führte mich von der Physik über Buddhismus, Meditation und Yoga zur Psychotherapie und zur intensiven Erforschung der menschlichen Psyche. Heute verbinde ich körperliche Praxis, Meditation, psychotherapeutische Modelle, die Arbeit mit inneren Personen und intensive Selbsterfahrungsprozesse zu einem integralen Ansatz. Dabei ist mir eines besonders wichtig:

Der Mensch ist nicht fehlerhaft.

Auch hinter Widerständen, Widersprüchen und scheinbar destruktiven Verhaltensweisen gibt es eine Geschichte und eine innere Logik. Sie zu verstehen kann der Anfang von Veränderung sein.

Mein Lebensweg

Die Welt verstehen – Von Naturwissenschaft und Physik

Ich wollte schon früh verstehen, wie die Welt funktioniert. Über Mathematik und Technik führte mich diese Neugier zur theoretischen Physik – und schließlich zu Fragen, auf die mir die Physik keine ausreichende Antwort mehr geben konnte.

✘ Meine Geschichte mit der Physik …

Ich wurde 1975 geboren und wuchs in der DDR auf. Meine Eltern sind Ingenieure und sind technisch und naturwissenschaftlich orientiert. Sie förderten früh meine Freude am Experimentieren und Verstehen. Gleichzeitig verbrachte ich viel Zeit draußen in der Natur: durch die Wälder streifen, auf Bäume klettern, im See baden. Neben einer Jugend, in der Logik, Anpassung und Vorsicht eine Rolle spielten, gab es immer auch diese unmittelbare Erfahrung von Natur und Freiheit.

Die Wende erlebte ich als große Öffnung. Plötzlich wurde die Welt größer. Ich studierte Physik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und verbrachte ein Auslandssemester an der Ole Miss, der University of Mississippi. Besonders faszinierte mich die theoretische Physik bis hin zur Relativitäts- und Quantenfeldtheorie.

Ich wollte verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält.

Nach dem Studium stellte ich fest, dass mich der konkrete Wissenschaftsbetrieb weniger anzog als die Fragen, die mich ursprünglich dorthin geführt hatten. Labor- und Computerarbeit, Publikationsdruck und der formalisierte Forschungsbetrieb boten meiner Neugier nicht den Raum, den ich gesucht hatte.

Die Suche blieb. Nur ihr Gegenstand begann sich zu verändern.


Von außen nach innen – Buddhismus, Vipassana und Yoga

Mit Meditation begann eine neue Art der Forschung. Nicht mehr nur beobachten, messen und denken – sondern die eigene Erfahrung selbst zum Forschungsgegenstand machen.

✘ Warum Vipassana für mich ein Wendepunkt war …

Eine erste Brücke schlug Fritjof Capras Das Tao der Physik. Detaillierter wurde es mit der integralen Theorie von Ken Wilber. Ich begann, mich intensiv mit dem Buddhismus zu beschäftigen, viel zu lesen und viel zu meditieren. Mehrere zehntägige Vipassana-Retreats waren für mich eine Offenbarung. Ich konnte unmittelbar beobachten, wie körperliche Empfindungen, Gedanken, Gefühle und innere Unruhe miteinander verbunden sind. Und vor allem, wie automatisiert und unfrei unser Denkprozess sein kann.

Gleichzeitig begann meine eigene Psychotherapie.

Zum Yoga kam ich zunächst sehr pragmatisch über den Universitätssport. Seit jungen Jahren hatte ich Rückenschmerzen sowie daraus entstehende Nacken- und Kopfschmerzen. Yoga wurde für mich ein wichtiger körperlicher Ausgleich zum vielen Sitzen.

Damit entstanden drei Wege, die sich zunehmend miteinander verbanden:

Körperarbeit, Meditation & Psychotherapie.


Yoga wird zum Beruf – Unterrichten, ausbilden, Gemeinschaft aufbauen

Aus eigener Begeisterung wurde Unterricht, aus Unterricht ein Yoga-Zentrum und aus einzelnen Ausbildungskursen über die Jahre eine Gemeinschaft von Yogalehrerinnen und Yogalehrern.

✘ Mein Weg als Yogalehrer und Ausbilder

Ich absolvierte meine Yogaausbildung beim Berufsverband BDYoga mit Klaus König sowie Urvasi und Ananda Leone (Akademie für Yoga Berlin). Mich faszinierte besonders, psychologische und buddhistische Gedanken in eine konkrete körperliche und meditative Praxis zu übertragen.

Meine ersten Kurse füllten sich schnell. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich daraus das Yoga-Zentrum Jena mit einem wachsenden Team. Seit 2005 leite ich Yogalehrerausbildungen. Bis heute sind es 20 Ausbildungsgruppen mit etwa 400 SchülerInnen. Viele ehemalige SchülerInnen unterrichten inzwischen selbst. Einige sind KollegInnen geworden und Teil eines über viele Jahre gewachsenen Netzwerks. Die Integrale Akademie bildet heute den Rahmen meiner Ausbildungsarbeit. Im Frühjahr 2027 startet die nächste Gruppe der Yogalehrausbildung.


Die Psyche verstehen – Psychotherapie und innere Personen

Je mehr ich mich mit Psychotherapie beschäftigte, desto deutlicher wurde mir: Das menschliche „Ich“ ist viel weniger einheitlich, als wir gewöhnlich glauben.

✘ Wie die inneren Personen zum Zentrum meiner Arbeit wurden

Parallel zum Yoga absolvierte ich am ifhst Berlin eine vierjährige Ausbildung in humanistisch-systemischer Therapie bei Manuela Giese-Morschl und Johannes Morschl. Ihre pragmatische und wertschätzende Haltung hat mich geprägt: Was ist das konkrete Problem? Wo möchte dieser Mensch hin? Und welche Lösung passt zu diesem Menschen?

Gleichzeitig beschäftigte ich mich intensiv mit sehr unterschiedlichen psychotherapeutischen Schulen und ihren Modellen der Psyche. Dabei begann mich die Vielfalt der Psyche immer stärker zu interessieren. Denn ich erlebte sie auch bei mir selbst: Yogalehrer, Unternehmer, Chef, Kollege, Partner, Privatmensch – unterschiedliche Lebenssituationen aktivierten sehr unterschiedliche Seiten meiner Persönlichkeit.

„Ich will“ und „Ich will doch nicht.“ Oder „Ich möchte“ und „Ich kann nicht.“

Verschiedene Pole können gleichzeitig vollkommen aufrichtig empfunden werden. Oft, weil es Haltungen innerer Personen sind, die gleichzeitig im Menschen aktiv sind. Die Erforschung der inneren Personen wurde schließlich zu einem zentralen Leitfaden meiner Arbeit.


Hinter dem Chaos liegt eine Ordnung – Über zehn Jahre Individualsystemik

Bei Artho und Veeta Wittemann fand ich mit der Individualsystemik ein Modell, das meine Sicht auf die menschliche Psyche grundlegend verändert hat. Über zehn Jahre war ich bei ihnen in Ausbildung und intensiver persönlicher Forschungsarbeit.

✘ Was ich dort gefunden habe – und warum ich mich später getrennt habe

Viele psychotherapeutische Modelle waren mir mit der Zeit zu widersprüchlich oder zu unscharf geworden. Mich interessierte eine schwierigere Frage:

Warum verändern wir Dinge nicht, obwohl wir genau wissen, dass eine Veränderung gut für uns wäre?

Die Individualsystemik bot mir dafür ein außergewöhnlich differenziertes Modell. In mehr als zehn Jahren intensiver Erforschung meiner eigenen Psyche verstand ich zunehmend, dass vermeintliche Grenzen meiner Veränderungsfähigkeit nicht einfach Fehler waren. Was an der Oberfläche wie Chaos aussieht, kann in der Tiefe einer erstaunlichen Logik folgen.

Eine innere Person kann kämpfen, sich verweigern, zurückziehen oder scheinbar destruktiv handeln – und dabei aus ihrer eigenen Geschichte heraus versuchen, etwas Wesentliches zu schützen. Versteckt unter diesen reaktiven Haltungen fand ich immer wieder Verletzungen. Und unter diesen Verletzungen wiederum etwas sehr Positives: Liebe und den Wunsch, das eigene Leben und die Welt gut zu gestalten.

Die Individualsystemik nennt diese ursprüngliche Ausrichtung einer inneren Person ihre Essenzhaltung. Diesen Begriff verwende ich bis heute.

Ein klarer Bruch

Gerade weil ich dieser Arbeit viel verdanke, möchte ich meine spätere Abgrenzung nicht verschweigen. Mit der Zeit erlebte ich eine wachsende Diskrepanz zwischen dem Menschenbild, das ich aus der Individualsystemik mitgenommen hatte, und dem konkreten Umgang mit Menschen. Bewertungen, Zuschreibungen und Kontaktabbrüche empfand ich zunehmend als beschämend.

2025 brach Veeta Wittemann den Kontakt zu mir ab. 2026 schrieb sie über meine inzwischen weiterentwickelte Arbeit an meinen Mann: „Das, was er macht, ist gefährlich für ihn, seine Mitmenschen und seine Klienten. Es hat nichts mit dem zu tun, was wir ihm gelehrt haben. Er missbraucht unsere Arbeit.“ (Das ist eine Ferndiagnose. Veeta Wittemanns hat meine Arbeitsweise nicht kennengelernt und kennt auch meine Mitmenschen und Klienten nicht.)

Ich nehme diese Abgrenzung ernst: Meine heutige Arbeit ist meine eigene Verantwortung und nicht von Artho oder Veeta Wittemann autorisiert. Ich arbeite mit dem theoretischen Modell, aber nicht mit den Methoden der Individualsystemik.

Gleichzeitig lehne ich Beschämung als spirituelle, menschliche oder therapeutische Haltung entschieden ab. Gerade wenn ich jemanden als Mensch oder sein Wirken nicht verstehe und Konflikte entstehen, beginnt für mich die interessante Frage: Was geschieht hier eigentlich? Diese Haltung ist heute eine zentrale Grundlage meiner Arbeit.

✘ Im Detail: Individualsystemik – Würdigung und Abgrenzung

Die Individualsystemik ist für mich bis heute eine brillante Theorie der inneren Dynamik der Psyche. Artho und Veeta Wittemann haben mit großer Konsequenz beschrieben, wie vielfältig und widersprüchlich menschliches Erleben organisiert sein kann. Ihre Forschungsarbeit hat mein eigenes Verständnis der Psyche wesentlich geprägt.

Ich möchte dabei ausdrücklich sagen, dass ich Artho und Veeta über viele Jahre in ihrer Arbeit als außerordentlich engagiert, freundlich, offen und liebevoll erlebt habe – sowohl in der Einzelarbeit als auch in Seminaren, Vorträgen und ihren Büchern. Mich hat immer wieder beeindruckt, mit wie viel Klarheit, Ernsthaftigkeit und persönlichem Einsatz sie Menschen begleitet und ihre Forschung vorangetrieben haben.

Mit einem sehr großen Teil dieser Arbeit bin ich bis heute tief im Frieden. Vieles davon hat mir persönlich geholfen und bildet weiterhin eine wichtige Grundlage meines eigenen Verständnisses von Psyche und innerer Entwicklung. Meine Kritik richtet sich deshalb nicht gegen die Individualsystemik als Ganzes und auch nicht gegen die gesamte Arbeit von Artho und Veeta Wittemann. Sie betrifft einen sehr spezifischen Punkt, den ich allerdings für therapeutisch außerordentlich bedeutsam halte.

Besonders wichtig ist für mich dabei das Konzept der sogenannten geheimen Machtseiten (GMS): unbewusste, sehr kraftvolle innere Personen, die einen erheblichen Einfluss auf unser Denken, Fühlen und Handeln haben können, ohne dass uns dieser Einfluss bewusst ist. Gerade dort, wo Menschen sich selbst widersprechen, an immer gleichen Mustern scheitern oder scheinbar gegen ihre eigenen Interessen handeln, eröffnet dieses Modell eine für mich außergewöhnlich hilfreiche Perspektive.

Diese inneren Personen sind nicht nur machtvoll. Viele von ihnen tragen nach meinem Verständnis sehr frühe Verletzungen und sind in bestimmten Aspekten ihrer Entwicklung gleichsam in dem Alter stehen geblieben, in dem diese Verletzung entstanden ist. Sie können deshalb mit der emotionalen Logik eines sehr jungen Kindes reagieren und zugleich über beträchtliche psychische Kraft verfügen.

Genau darin liegt für mich sowohl eine der größten Stärken der Individualsystemik als auch eine ihrer schwierigsten therapeutischen Herausforderungen.

Wo ich methodisch einen anderen Weg gehe

Die Annäherung an diese tief verborgenen inneren Personen erweist sich nach meiner Erfahrung als ausgesprochen schwierig. Artho und Veeta Wittemann arbeiteten dabei insbesondere mit der Methode des „Gleich zu Gleich“. Nach vielen Jahren eigener Erfahrung mit dieser Arbeit halte ich diesen Zugang für begrenzt geeignet, wenn sehr frühe traumatische Strukturen erreicht werden sollen.

Ein Grund dafür liegt für mich in der körperlichen Dimension traumatischer Prozesse. Tiefe Überforderung kann mit Erstarrung, Rückzug und einer massiven Einschränkung von Handlungsmöglichkeiten verbunden sein. Solche Reaktionsmuster können später nicht nur psychisch, sondern vor allem auch körperlich weiterbestehen.

Eine Arbeit, die weitgehend im Sitzen oder Stehen und damit in einer relativ unbewegten Situation stattfindet, kann aus meiner Sicht deshalb Gefahr laufen, genau jene vegetative Erstarrung mit aufrechtzuerhalten, die ursprünglich Teil der Schutzreaktion war.

Meine Erfahrung mit intensiver Körper-, Atem- und Bewusstseinsarbeit ist eine andere: Wenn Atmung, Bewegung, Ausdruck, Körperempfindung und emotionales Erleben stärker einbezogen werden, können Zugänge entstehen, die über das rein sprachliche oder beobachtende Arbeiten hinausgehen. Für mich ist das ein wesentlicher Grund, warum ich heute mit holotropen und anderen intensiven Erfahrungsprozessen arbeite.

Beziehung als entscheidender Teil des Prozesses

Noch grundlegender ist für mich jedoch ein zweiter Punkt: Wenn eine innere Person aufgrund sehr früher Beziehungserfahrungen verletzt wurde, kann sie im therapeutischen Prozess beginnen, genau diese frühe Beziehungssituation erneut herzustellen. Sie sucht Nähe, Verlässlichkeit, Orientierung oder eine elterlich erlebte Verbindung zum Begleiter.

Ich halte das nicht für einen störenden Nebeneffekt der Therapie. Im Gegenteil: Es kann der entscheidende Punkt sein, an dem eine sehr frühe innere Person überhaupt erstmals sichtbar und erreichbar wird.

Auch Artho und Veeta Wittemann haben solche Dynamiken differenziert beschrieben. Gerade deshalb empfinde ich die Diskrepanz zu meinen späteren Erfahrungen an diesem Punkt als besonders schmerzlich. Während ich sie über weite Strecken ihrer Arbeit als ausgesprochen respektvoll, geduldig und liebevoll erlebt habe, veränderte sich nach meiner Wahrnehmung der Umgang teilweise genau dann, wenn sogenannte geheime Machtseiten deutlicher hervortraten und sich sehr junge, abhängige, fordernde oder stark übertragende innere Personen zeigten.

Ich habe bei mir mehrfach erlebt, dass an diesem Punkt die Beziehung nicht weitergetragen, sondern begrenzt oder schließlich abgebrochen wurde – verbunden mit Bewertungen und Vorwürfen, die ich als stark beschämend erfahren habe. Gerade weil meine Erfahrungen mit Artho und Veeta zuvor über viele Jahre von Vertrauen, Wertschätzung und intensiver gemeinsamer Forschungsarbeit geprägt waren, waren diese Brüche für mich besonders einschneidend.

Ähnliche Erfahrungen sind mir auch aus Berichten anderer ehemaliger Klientinnen und Klienten begegnet. Gabrielle Riek beschreibt in ihrem Buch „Blindgänger“ aus ihrer eigenen Lehrtherapie bei Artho Wittemann, dass die therapeutische Beziehung genau in einer Phase endete, in der sie mit einer zuvor verborgenen, machtvollen Seite ihrer Psyche konfrontiert war. Sie schildert das anschließende Alleinsein als äußerst schmerzhaft. Für ihre eigene therapeutische Arbeit leitet sie daraus später eine Haltung konsequenter Beziehungsstabilität ab.

Ich möchte daraus ausdrücklich keine pauschale Beurteilung der gesamten therapeutischen Arbeit von Artho und Veeta Wittemann ableiten. Dafür habe ich zu viel Wertvolles, Liebevolles und Klärendes bei ihnen erlebt. Meine Kritik konzentriert sich auf diesen einen, aus meiner Sicht jedoch entscheidenden Prozesspunkt: Wie wird mit einer sehr frühen, machtvollen und zugleich verletzten inneren Person umgegangen, wenn sie in einer therapeutischen Beziehung tatsächlich sichtbar wird?

Wo für mich etwas zerbrochen ist

Nach meinem heutigen Verständnis kann eine solche innere Person trotz ihrer großen Macht emotional sehr unreif sein. Sie kann sich fordernd, abhängig, aggressiv, misstrauisch oder widersprüchlich verhalten. Sie kann eine Elternübertragung aufbauen und vom Begleiter etwas erwarten, das für den erwachsenen Menschen selbst kaum nachvollziehbar erscheint.

Gerade hier besteht aus meiner Sicht die Gefahr, das Verhalten dieser inneren Person ausschließlich aus der Erwachsenenperspektive zu bewerten. Wenn darauf mit Beschämung, massiver Abgrenzung oder einem abrupten Beziehungsabbruch reagiert wird, kann sich nach meiner Einschätzung genau jene ursprüngliche Verletzung wiederholen, die diese innere Person überhaupt erst in ihre heutige Form gebracht hat.

An diesem Punkt ist für mich in der praktischen Umsetzung der Individualsystemik etwas Wesentliches verloren gegangen. Nicht weil ich den theoretischen Blick auf die geheimen Machtseiten für falsch halte – im Gegenteil. Ich halte ihn für einen der tiefsten und wertvollsten Aspekte der gesamten Arbeit.

Gerade deshalb scheint mir die therapeutische Konsequenz so wichtig. Wenn wir erkennen, dass eine innere Person sehr alt, machtvoll und zugleich in einem frühen Entwicklungszustand gebunden ist, dürfen wir sie aus meiner Sicht nicht ausschließlich daran messen, ob sie sich bereits wie ein reflektierter erwachsener Mensch verhält.

Sie braucht Grenzen. Sie braucht Klarheit. Und selbstverständlich kann nicht jede Forderung erfüllt werden. Aber sie braucht zugleich einen Begleiter, der den Unterschied zwischen dem Verhalten dieser inneren Person und ihrem tieferen Wesen aufrechterhalten kann. Hier liegt für mich heute ein wesentlicher Teil therapeutischer Verantwortung.

Meine Konsequenz für die eigene Arbeit

Wenn ein intensiver therapeutischer Prozess sehr frühe Verletzungen berührt und ein Mensch dabei in eine starke Bindungs- oder Übertragungsdynamik gerät, bekommt die Verlässlichkeit der Beziehung für mich eine außerordentlich große Bedeutung. Ein abrupter Beziehungsabbruch kann in einer solchen Situation nach meiner Einschätzung die ursprüngliche Erfahrung von Verlassenwerden, Zurückweisung oder Beschämung wiederholen. Die Folge kann nicht nur erneuter Schmerz sein, sondern auch eine tiefe Resignation: die Erfahrung, dass selbst dort, wo endlich die verletzlichsten Seiten sichtbar werden, Beziehung letztlich nicht trägt.

Deshalb versuche ich sehr genau abzuwägen, welche Prozesse ich mit einem Menschen beginne. Je tiefer die Arbeit geht, desto stärker empfinde ich meine Verantwortung, den begonnenen Prozess verlässlich zu begleiten.

Für mich bedeutet das nicht, dass therapeutische Beziehungen grenzenlos sein müssen oder niemals beendet werden dürfen. Grenzen können notwendig sein. Kritik kann notwendig sein. Auch ein Ende der Zusammenarbeit kann notwendig werden. Entscheidend ist für mich jedoch, wie dies geschieht, welche inneren Prozesse gerade aktiviert sind und ob der Mensch in einem besonders verletzlichen Zustand mit diesen Prozessen allein zurückbleibt.

Ein Prozess, der sehr frühe Bindungsverletzungen öffnet, braucht aus meiner Sicht deshalb von Beginn an eine besonders sorgfältige Rahmung. Ich möchte solche Prozesse nur anstoßen, wenn ich bereit und in der Lage bin, die daraus entstehende Verantwortung auch zu tragen.

Was ich behalte – und was ich weiterführen möchte

Meine deutliche Kritik an diesem Punkt verändert nicht meine große Wertschätzung für die Individualsystemik. Ich halte ihr Modell der Psyche weiterhin für außerordentlich wertvoll. Das Verständnis der inneren Personen, der geheimen Machtseiten, der psychischen Gegenkräfte und der Essenzhaltung hat mein eigenes Denken und Arbeiten nachhaltig geprägt. Ich verdanke Artho und Veeta Wittemann viele Jahre intensiver Selbsterfahrung und wichtige Einsichten in meine eigene Psyche.

Auch ihre Ernsthaftigkeit, ihre Forschungsbereitschaft, ihre Klarheit und die Liebe, mit der ich sie über lange Zeit Menschen begleiten sah, möchte ich ausdrücklich würdigen. Gerade deshalb ist meine heutige Abgrenzung für mich keine Abrechnung. Sie ist die Konsequenz aus der Frage, die mich schon während der gemeinsamen Arbeit beschäftigt hat:

Was braucht es, damit die theoretisch beschriebenen tiefsten Schichten der Psyche tatsächlich erreicht und heilsam begleitet werden können?

Meine Antwort darauf ist heute eine andere. Ich glaube, dass die Theorie der Individualsystemik an ihrem entscheidenden Punkt eine erweiterte therapeutische Praxis braucht: eine Praxis, die Körper, vegetatives Nervensystem, Emotion, Bewegung und intensive Bewusstseinsprozesse stärker einbezieht – und die gleichzeitig eine Beziehung auf Augenhöhe gerade dann besonders ernst nimmt, wenn sehr frühe verletzte Persönlichkeitsanteile sichtbar werden.

In diesem Sinne verstehe ich meine heutige Arbeit nicht als Abkehr von der Individualsystemik. Ich verstehe sie als den Versuch, einen von Artho und Veeta Wittemann begonnenen Forschungsweg mit anderen Methoden und einer teilweise anderen therapeutischen Haltung weiterzugehen.


Wenn Verstehen nicht mehr genügt – Intensive Selbsterfahrung und holotrope Prozesse

Ich konnte in der Erforschung meiner Inneren Personen meine Psyche immer besser verstehen – und stellte gleichzeitig fest, dass Verstehen allein manche tiefen Strukturen nicht verändert. Psychedelische Erfahrungen und später das holotrope Atmen eröffneten mir einen Zugang zu Schichten meiner eigenen Psyche, die zuvor schlicht nicht erreichbar waren.

✘ Warum dieser Schritt meine Arbeit verändert hat

Psychedelische Erfahrungen waren ein weiterer entscheidender Wendepunkt meiner persönlichen Entwicklung. In diesen Prozessen bekam ich Zugang zu Angst, Wut, Trauer und frühen Verletzungen, die ich trotz jahrelanger Meditation und Psychotherapie vorher nur teilweise erreichen konnte.

Dabei geht es mir nicht darum, meine Eltern oder meine Kindheit nachträglich zu verurteilen. Meine Eltern waren mit ihrer Liebe dabei und haben mir vieles ermöglicht. Gleichzeitig können frühe Erfahrungen für ein Kind überwältigend sein und tiefe Spuren hinterlassen. Beides kann wahr sein.

Durch intensive Selbsterfahrungsprozesse konnte ich einige dieser frühen Prägungen neu erleben, verstehen und integrieren.

Eine verwandte Möglichkeit fand ich später im holotropen Atmen (Breathwork, zirkuläres Atmen). Durch meine lange Erfahrung mit Yoga, Pranayama und Meditation war mir der Atem als Zugang zum eigenen Erleben bereits sehr vertraut. Als ich erstmals holotropes Atmen erlebte, erschloss sich mir vieles unmittelbar. Seit etwa drei Jahren arbeite ich auch in Ausbildungs- und Seminargruppen mit holotropen Prozessen und führe Menschen schrittweise an diese intensive Form der Selbsterfahrung heran.

Für mich entstand dadurch eine wichtige Verbindung: Die Individualsystemik bietet mir eine Landkarte der Psyche. Intensive Erfahrungsprozesse können Wege eröffnen, Teile dieser Landschaft tatsächlich zu betreten.


Innere Freiheit – Mein integraler Ansatz heute

Heute verbinde ich diese Erfahrungen zu einem integralen Verständnis des Menschen: Körper und vegetatives Nervensystem, Emotionen und Gefühle, Denken, innere Personen, Beziehung und Gemeinschaft sowie meditative und transpersonale Erfahrungen.

✘ Was „integral“ für mich bedeutet

Integral bedeutet für mich nicht, möglichst viele Methoden miteinander zu vermischen. Es bedeutet, die Komplexität eines Menschen ernst zu nehmen.

Manchmal braucht ein Mensch zunächst eine gute körperliche Praxis. Manchmal emotionale Regulation und Entspannung. Manchmal muss ein konkretes Problem gelöst werden. Manchmal geht es um einen Konflikt zwischen inneren Personen. Und manchmal entsteht der Wunsch, tiefer zu gehen.

Ich sehe darin drei große Schritte:

1. Verstehen

Mich selbst kennenlernen. Wahrnehmen, wie ich funktioniere und warum ich empfinde und handle, wie ich es tue.

2. Lösen und integrieren

Die Schwierigkeiten angehen, die mein Leben tatsächlich einschränken – körperlich, emotional, psychisch oder in meinen Beziehungen.

3. Entfalten

Wenn die drängendsten Schwierigkeiten nicht mehr alles bestimmen, kann eine andere Frage entstehen: Was ist in mir noch möglich? Dann wird das eigene Leben selbst zum Forschungsraum.


Und was hat das noch mit Yoga zu tun?

Sehr viel – und gleichzeitig verstehe ich Yoga heute freier als früher. Mein normaler Yogaunterricht ist bewusst unkompliziert. Ich möchte eine schöne körperliche Praxis anbieten, die Beweglichkeit und Kraft fördert, Stressregulation und Entspannung unterstützt und einen Raum schafft, in dem Menschen vertrauensvoll und mit Freude miteinander üben können.

Meditation gehört dazu. Yogaphilosophie ebenfalls – aber mit kritischer Distanz. Die historischen Yogatraditionen sind für mich keine vollständige Psychologie des Menschen. Ihre Texte entstanden in bestimmten Kulturen und Zeiten. Manche ihrer Vorstellungen halte ich heute für problematisch. Einige psychologische Fragen kommen darin überhaupt nicht vor.

Deshalb interessiert mich weniger die möglichst wortgetreue Bewahrung einer Tradition als eines ihrer großen Ziele:

Kaivalya – innere Freiheit.

Freiheit bedeutet für mich nicht, dass das Leben keine Schwierigkeiten mehr bereithält. Sie zeigt sich darin, beweglich zu bleiben: Kann ich eine Schwierigkeit wahrnehmen und aushalten? Kann ich sie verstehen? Kann ich angemessen handeln? Kann ich nach einer Krise wieder in Bewegung kommen?

Wenn dagegen etwas dauerhaft erstarrt – im Körper, in den Emotionen, in Beziehungen oder in immer gleichen Gedanken –, ist ein Teil dieser Freiheit verloren gegangen.

Was diese Reise mit mir gemacht hat

Meine Arbeit ist aus einer sehr persönlichen Suche entstanden. Banal formuliert wollte ich eigentlich immer nur glücklich sein. Lange lautete meine Frage:

Was stimmt hier in dieser Welt nicht?

Mit der Zeit hat sie sich verändert. Ich habe verstanden, dass vieles, was ich zunächst in der Welt oder bei anderen Menschen gesucht hatte, auch mit eigenen, für mich unsichtbaren Verletzungen und inneren Verwicklungen zusammenhing. Je mehr ich davon verstehen und integrieren konnte, desto mehr hat sich mein Leben verändert.

Die Rückenschmerzen, mit denen meine Yogareise einmal begann, sind heute weitgehend verschwunden. In meinen Fünfizigern fühle ich mich körperlich fitter als mit 20. Bewegung und Sport bedeuten für mich nicht mehr, Beschwerden zu verwalten, sondern können Freude und Genuss sein.

Noch wichtiger ist für mich etwas anderes:

Der jahrelange innere Streit zwischen „Ich müsste“ und „Ich will nicht“, zwischen Antreiben und Rückzug, zwischen „Ich möchte“ und „Ich kann nicht“ hat sich weitgehend beruhigt.

Meine unterschiedlichen inneren Personen sind deshalb nicht verschwunden. Im Gegenteil. Ich erlebe mich heute vielfältiger als früher : Stille und Schaffenskraft. Spiritualität und Durchsetzung. Freundlichkeit und Klarheit. Ruhe und Lebendigkeit. Humor und Tiefgang.

Diese Seiten müssen nicht mehr gegeneinander kämpfen und sich abwerten. Sie sind eher zu einem vertrauensvollen inneren Team geworden.

Auch lange verdrängte Seiten meiner frühen Lebensjahre dürfen langsam wieder auftauchen und Teil meines heutigen Lebens werden. Das empfinde ich nicht als einen abgeschlossenen Zustand. Aber ich erlebe mein Leben heute als reichhaltig, vielfältig, liebevoll – und in dieser Vielfalt erstaunlich friedlich.

Entwicklung braucht Beziehung

Seit 25 Jahren lebe ich in einer glücklichen Partnerschaft. Unsere Beziehung ist über diese lange Zeit selbst zu einem Ort gemeinsamen Wachstums geworden.

Auch Freundschaften und Arbeitsbeziehungen haben für mich eine neue Tiefe bekommen. Besonders wertvoll ist für mich eine Gemeinschaft von Menschen, die inzwischen auf ihre jeweils eigene Weise einen ähnlichen Forschungsweg gehen. Nicht, weil sie meine Überzeugungen übernehmen sollen. Sondern weil sie selbst neugierig sind. Aus SchülerInnen wurden KollegInnen, WeggefährtInnen und FreundInnen. In Ausbildungsgruppen und Seminaren entsteht damit etwas, das für meine heutige Arbeit wesentlich ist: Entwicklung geschieht nicht nur in uns. Sie geschieht auch zwischen uns.

Wie ich Menschen heute begegnen möchte

Am Anfang steht für mich Respekt. Bevor ich etwas verändern möchte, versuche ich zu verstehen:

Wie geht es diesem Menschen? Womit ringt er? Warum ringt er damit? Wo kommt er her? Und wo möchte er eigentlich hin?

Ich möchte niemanden nach meinem Bild formen. Ich kann Fragen stellen, Zusammenhänge sichtbar machen, meine Erfahrung zur Verfügung stellen und Räume schaffen, in denen tiefere Erfahrungen möglich werden. Die eigentliche Erkenntnis bleibt die Leistung des Menschen selbst.

Eine gute körperliche Basis ist für mich dabei ebenso wichtig wie ein respektvoller Kontakt zu anderen. Gerade intensive innere Arbeit braucht einen Raum, in dem Menschen freundlich, klar und verantwortlich miteinander umgehen. Ich möchte Menschen nicht beibringen, sich immer besser zu optimieren. Ich möchte sie darin unterstützen, sich gründlicher kennenzulernen. Vielleicht verändert sich dann irgendwann die Frage

„Was stimmt mit mir nicht?“ zu „Wer bin ich eigentlich – und wie kann ich mit all diesen Seiten in mir ein freies, verantwortliches und lebendiges Leben führen?“

Wo wir uns begegnen können

Du musst dafür nicht mit einer tiefen psychotherapeutischen Forschungsreise beginnen.

Vielleicht ist der richtige Einstieg einfach eine Yogastunde. Vielleicht möchtest du Yoga selbst fundiert lernen und unterrichten. Vielleicht interessiert dich ein Seminar, holotropes Atmen, ekstatischer Tanz oder therapeutische Begleitung.

Es gibt unterschiedliche Türen. Welche davon passt, darf sich in der Begegnung zeigen.


Ausbildungen & Qualifikation

  • Yogalehrer BDY/EYU
    (4-jährige Ausbildung mit ca. 830UE)
  • Krankenkassen-Anerkennung
    (Zertifiziert nach § 20 Abs. 1 SGB V der Zentralen Prüfstelle Prävention)
  • Kursleiter Kinderyoga
    (Stressreduktionsmethode nach Marcus Stück)
  • Thai-Yoga-Massage „Spa und Wellness“
    (42 Zeitstunden Einzelunterricht)
  • Heilpraktiker Psychotherapie (HeilPrG)
  • Humanistisch-Systemischer Therapeut für Gestalttherapie, Psychodrama & Familienstellen
    (3.5-jährige Ausbildung am ifhst mit 682UE)
  • Systemischer Therapeut für Familienstellen
    (1-jährige Ausbildung am ifhst mit 253UE)
  • Ausbildungsleiter einer vom BDYoga anerkannten Ausbildung zum YogalehrerIn BDY/EYU
    Webseite des Berufsverbandes